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Der uncoole WegbereiterSegway scheitert und prägt doch die Städte

27.09.2026, 07:39 Uhr
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Der Segway wird ein Vierteljahrhundert alt - und ist nicht mehr so häufig auf den Straßen zu sehen: hier im Juni 2023 in Berlin. (Foto: IMAGO/Jochen Eckel)

Der Segway-Erfinder träumt 2001 von einer Verkehrsrevolution, doch sein 5000-Dollar-Gefährt landet bei Hilfspolizisten und Touristengruppen. 2020 endet die Produktion nach mageren Verkaufszahlen. Ein chinesischer Konzern haucht der Technik neues Leben ein.

Cool war der Segway eigentlich nie. Genauso wenig wie seine Nutzer - leicht vornübergebeugt, unsicher balancierend und mit einem klobigen Lenker vor der Brust konnte man sich höchstens im anonymen Pulk bei einer Stadtführung sehen lassen. Spätestens die US-Komödie "Der Kaufhaus-Cop" machte den selbstbalancierenden Roller als Dienstfahrzeug eines dicklichen Hilfspolizisten zum Sinnbild unbeholfener Fortbewegung. Ohne den damals so belächelten Einachser sähen nicht nur deutsche Innenstädte heute wohl anders aus.

Die Erwartungen waren gewaltig, als Erfinder Dean Kamen den Segway am 3. Dezember 2001 erstmals einer breiten Öffentlichkeit präsentierte. Apple-Chef Steve Jobs verglich seine mögliche Bedeutung mit der des Personal Computers, Risikokapitalgeber John Doerr hielt sogar größere Auswirkungen als durch das Internet für denkbar. Kamen selbst soll mit mehr als einer halben Million verkauften Exemplaren pro Jahr gerechnet haben.

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Apple-Mitgründer Steve Wozniak und seine Frau Janet 2011 auf ihren Segways. (Foto: picture alliance / dpa)

Technisch war das zunächst Segway HT (HT für Human Transporter) genannte Gerät tatsächlich ungewöhnlich. Gyro- und Neigungssensoren registrierten permanent die Lage des Fahrers, Computer steuerten die Elektromotoren so, dass der Segway auf seinen zwei nebeneinanderliegenden Rädern die Balance hielt. Beschleunigt und gebremst wurde durch Gewichtsverlagerung. Bis zu 19 km/h waren möglich.

Wozu eigentlich?

Das Problem war weniger die Technik als die Antwort auf die Frage: wozu eigentlich? Der rund 45 Kilogramm schwere Segway war zu sperrig, um ihn einfach mitzunehmen, zu langsam als Autoersatz und mit anfangs rund 5000 Dollar zu teuer für ein Gefährt, das häufig vor allem das Gehen ersetzte.

Statt die Städte zu revolutionieren, landete er vor allem bei Polizei, Sicherheitsdiensten, auf Betriebsgeländen und bei touristischen Stadtführungen. Insgesamt wurden bis zum Produktionsstopp des mittlerweile unter Segway PT bekannten Fahrzeugs im Sommer 2020 statt zig Millionen Einheiten lediglich rund 140.000 Exemplare verkauft.

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Erfinder Dean Kamen 2002 auf einem seiner "Segway Human Transporter". (Foto: IMAGO/ZUMA Press Wire)

Die Idee hinter dem zweirädrigen Micromobil hatte da aber trotzdem schon wieder richtig Fahrt aufgenommen: Seit 2015 war das US-Unternehmen Segway im Besitz des chinesischen Elektrofahrzeugherstellers Ninebot. Und der nutzte Marke und Technik für günstigere E-Scooter und andere Mikromobile.

E-Scooter griffen Idee auf

Gerade die elektrischen Tretroller, die wenige Jahre später von Sharing-Anbietern zu Tausenden auf die Straßen gestellt wurden, griffen vieles von dem auf, was der Segway vorweggenommen hatte: kleine Elektromotoren, Akkus, elektronische Steuerung und ein Fahrzeugformat für kurze Wege. Die mittlerweile weit verbreiteten Smartphones und Sharing-Apps machten Mietmodelle möglich - niemand musste mehr Tausende Euro für die Geräte ausgeben.

So wurde ausgerechnet der oft belächelte Segway doch noch zu einem Wegbereiter der modernen Mikromobilität. Mit einer kleinen Änderung: Statt auf einer Achse sind die Räder heute hintereinander montiert.

Quelle: ntv.de, Holger Holzer, sp-x

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