Linkspartei überholt die CDUAlle Daten zur Wahl in Berlin

In der deutschen Hauptstadt wählt eine Mehrheit den Machtwechsel: Bei dem Votum zum Berliner Abgeordnetenhaus fährt die Linkspartei einen klaren Wahlsieg ein. Die AfD landet hinter der CDU, aber noch vor den Grünen und der SPD. Wie sieht der Wahlausgang im Detail aus?
Klares Wahlergebnis in Berlin: Die Linke hat die Abgeordnetenhauswahl mit 25,7 Prozent der Stimmen gewonnen und sich damit deutlich von den anderen Parteien abgesetzt. Auf Platz zwei folgt die CDU mit einem Stimmanteil von 18,8 Prozent - gut neun Prozentpunkte weniger als bei der vorausgegangen Wahl, wie die Landeswahlleitung in der Nacht nach Auszählung aller Stimmen mitteilte.
Die AfD legte in Berlin kräftig zu und erhielt 16,3 Prozent. Die Grünen schnitten mit 14,3 Prozent schwächer an. Die SPD stellt mit einem Wahlergebnis von 12,1 Prozent künftig die kleinste Fraktion im Berliner Abgeordnetenhaus. Die regierende CDU/SPD-Koalition hat dadurch ihre Mehrheit verloren. Die SPD ist in Berlin künftig nur noch fünftstärkste Kraft. Das Bündnis Sahra Wagenknecht (BSW) und die FDP blieben unter der die Fünf-Prozent-Schwelle. Welche Partei wird in Berlin künftig den Regierenden Bürgermeister stellen? Die Daten zum Wahlausgang im Detail:
Hinweis: Die Infografiken wurden am Wahlabend laufend aktualisiert.
Große Gewinnerin des Abends ist Linken-Spitzenkandidatin Elif Eralp: "In unserer Stadt hat die Liebe und die Gerechtigkeit über den Hass gewonnen", rief sie am Wahlabend ihren Anhängern zu. "Ich will Regierende Bürgermeisterin für Berlin werden, damit die Menschen in unserer Stadt wieder ein besseres Leben haben. Vor allem die Menschen, die jeden Tag hier unsere Stadt mit am Laufen halten", sagte sie. "Wir haben die Wahl, unser Programm, unsere Inhalte haben die Wahl gewonnen."
Einer der Kernpunkte im Wahlkampf der Linkspartei war die Forderung nach einer Enteignung großer Wohnungskonzerne. "Ich habe immer gesagt, wir arbeiten ab Tag eins an der Vergesellschaftung", sagte Eralp. "Wir müssen vergesellschaften, den Volksentscheid umsetzen und Spekulationen aus Berlin verdrängen." Es brauche endlich einen Politikwechsel, fügte Eralp hinzu. Sie werde mit dieser Forderung in die Gespräche mit anderen Parteien für eine Koalition gehen.
Die künftige Sitzverteilung im Abgeordnetenhaus
Hinweis: Die ZDF-Hochrechnung zur Sitzverteilung ging am Wahlabend von der regulären Mindestanzahl von 130 Mandaten im Abgeordnetenhaus aus. Die Angaben der ARD rechneten am Wahlabend mit der bisherigen Anzahl von 159 Sitzen, inklusive Überhang- und Ausgleichsmandaten.
CDU-Spitzenkandidat Stefan Evers räumte die Niederlage seiner Partei noch am Wahlabend ein: "Wir haben heute deutlich verloren. Das ist kein Grund zur Freude." Mit Blick auf die Hochrechnungen zeigte er sich jedoch zugleich kämpferisch. "Wir haben für die Ausgangslage ein ganz ordentliches Ergebnis erzielt", sagte er vor Parteimitgliedern. Die Berliner CDU hätte jedoch "gegen den Abwärtstrend zugelegt".
Namen und Gesichter: Die Spitzenkandidaten der Parteien
Der SPD-Spitzenkandidat in Berlin, Steffen Krach, sprach von einem "katastrophalen Ergebnis" für seine Partei. Den Wahlausgang bezeichneter er als "Zäsur" für die Berliner SPD. "Wir waren über Jahrzehnte die Berlin-Partei. Heute kann man nicht mehr sagen, dass wir es sind", sagte er am Wahlabend.
Auf das weitere Vorgehen wollte sich der SPD-Politiker zunächst nicht festlegen. "Es ist zu früh, um über Koalitionsoptionen zu sprechen", antwortete er auf die Frage, ob die SPD lieber eine Koalition mit der Linken oder der CDU wolle. Die SPD sei abgewählt worden und werde dies zunächst analysieren. Die SPD landete in Berlin hinter der AfD auf Platz fünf und fährt damit ihr schlechtestes Ergebnis bei einer Abgeordnetenhauswahl seit der Wiedervereinigung ein.
Mögliche Koalitionen
Hinweis: Den ausführlichen ntv Koalitionsrechner finden Sie hier
Die Berliner Grünen streben nach der Wahl zum Abgeordnetenhaus eine rot-grün-rote Koalition an. "Wir wollen jetzt Verantwortung übernehmen und gemeinsam mit SPD und Linken ein progressives Bündnis für Berlin schmieden", erklärten die beiden Landesvorsitzenden Nina Stahr und Philmon Ghirmai. Die Berlinerinnen und Berliner hätten sich für einen Politikwechsel entschieden, hieß es. Schwarz-Rot sei klar abgewählt worden.
Die AfD-Spitzenkandidatin für die Berlin-Wahl, Kristin Brinker, kündigte an, die AfD werde eine sehr starke Oppositionsfraktion in der Hauptstadt. "Wir haben uns sehr stark verbessert." Im Vergleich zur vorausgegangenen Wahl von 2023 legten die Rechten in Berlin um rund sechs Prozentpunkte zu.
Die Gewinner in den Wahlkreisen
So haben die Parteien in der Fläche abgeschnitten
Umfragewerte im Verlauf der letzten Monate
Beim BSW kam im Laufe des Wahlabends zeitweise Hoffnung auf: Das Bündnis Sahra Wagenknecht konnte sich in den Hochrechnungen von anfangs exakt 5,0 auf 5,2 Prozent verbessen. Damit sah es zeitweilig so aus, als ob der Einzug ins Parlament gelingen könnte. Die junge Linken-Abspaltung war 2026 erstmals zur Wahl für das Berliner Abgeordnetenhaus angetreten. In späteren Hochrechnungen wurde das BSW knapp unter der entscheidenden Schwelle gesehen. Mit dem vorläufigen amtlichen Ergebnis aus der Nacht ist klar: Die BSW ist im Berliner Landesparlament in den nächsten fünf Jahren nicht vertreten.
So hat Berlin bisher gewählt
Das Berliner Abgeordnetenhaus umfasst regulär mindestens 130 Sitze. Nach der zurückliegenden Wahl aus dem Jahr 2023 war die Gesamtzahl durch Überhangs- und Ausgleichsmandate auf 159 Sitze angestiegen. 78 der zu vergebenden Mandate werden in den Berliner Wahlkreisen direkt gewählt. Aufgeteilt ist das Land Berlin dazu in insgesamt zwölf Wahlkreisverbände, die jeweils einem der bekannten Stadtbezirke wie Mitte, Pankow, Spandau oder Friedrichshain-Kreuzberg entsprechen.
Der Bezirk Mitte mit seinen rund 365.000 Einwohnern zum Beispiel umfasst sieben Wahlkreise. Friedrichshain-Kreuzberg mit rund 267.000 Einwohnern kommt auf fünf Wahlkreise, Marzahn-Hellersdorf auf sechs, Treptow-Köpenick auf sieben und der Bezirk Pankow sogar auf neun.
Die Entwicklung der Wahlbeteiligung
Bei der Abgeordnetenhauswahl 2026 waren insgesamt 17 Parteien zugelassen. Das Wahlverfahren selbst folgte dem bekannten Muster: Jeder Wahlberechtigte verfügt über zwei Stimmen. Die Erststimme kann an Kandidierende im jeweiligen Wahlkreis vergeben werden. Die Zweitstimme geht an die Bezirks- oder Landesliste der gewünschten Partei.
Das Direktmandat im Wahlkreis gewinnt, wer vor Ort die meisten Erststimmen erzielt. Die einfache Mehrheit entscheidet. Die übrigen Sitze im Abgeordnetenhaus werden anteilig nach der Verteilung der Zweitstimmen anhand der Parteilisten vergeben. Die endgültige Sitzanzahl kann sich durch Überhang- und Ausgleichsmandate erhöhen. Parteien, die weniger als fünf Prozent der Zweitstimmen erhalten, gehen bei der Sitzverteilung leer aus - es sei denn, sie haben über die Erststimmen ein oder mehrere Direktmandate erhalten.
Berechtigt zur Stimmabgabe waren bei der Berliner Abgeordnetenhauswahl erstmals auch 16- und 17-Jährige. Bisher war dies in Berlin nur bei den Wahlen zu den Bezirksverordnetenversammlungen (BVV) möglich. An den BVV-Wahlen, die wie üblich zeitgleich zur Abgeordnetenhauswahl stattfanden, durften neben Einwohner mit deutscher Staatsbürgerschaft auch in Berlin lebende EU-Ausländer teilnehmen.
Die Stimmabgabe an der Wahlurne war am Sonntag, 20. September von 8.00 bis 18.00 Uhr möglich. Unmittelbar darauf begann die Auszählung der Stimmen. Im Lauf des Abends veröffentlichten Meinungsforschungsinstitute laufend aktualisierte Hochrechnungen zum Wahlausgang. Das vorläufige amtliche Auszählungsergebnis veröffentlichte die Landeswahlleitung knapp zwei Stunden nach Mitternacht.






