Politik

CDU fällt unter fünf ProzentAlle Daten zur Wahl in Mecklenburg-Vorpommern

21.09.2026, 00:12 Uhr
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Mecklenburgischer Stier und pommerscher Greif: Die Flagge von Mecklenburg-Vorpommern ist in den Farben Blau, Weiß-Gelb-Weiß, Zinnoberrot gestreift. (Foto: picture alliance / imageBROKER)

Dramatische Entwicklung in MV: Die AfD liegt bei der Landtagswahl vor der SPD. Ministerpräsidentin Schwesig kann sich womöglich dennoch im Amt halten. Die CDU erlebt im Nordosten dagegen ein Debakel. Wie geht es weiter zwischen Elbe, Oder und Ostsee?

Bei der Landtagswahl in Mecklenburg-Vorpommern kann die AfD einen weiteren Wahlsieg feiern. Laut vorläufigem amtlichen Wahlergebnis hat die AfD mit einem Anteil von 38,2 Prozent der abgegebenen Zweitstimmen gewonnen. Neue zweitstärkste Kraft im Landtag ist die SPD mit 35,5 Prozent. Dahinter folgen mit großem Abstand die Linke, die 6,5 Prozent der Stimmen erhielten sowie die Grünen mit 5,7 Prozent.

Für die Christdemokraten mündet die Landtagswahl dgegen in ein Fiasko: Die CDU scheitert im Nordosten an der Fünf-Prozent-Hürde. Laut vorläufigem Wahlergebnis erzielte die Partei in MV nur 4,9 Prozent. Das Bündnis Sahra Wagenknecht (BSW) und die FDP verpassen ebenfalls den Einzug in den Landtag. Wie sehen die Zahlen aus Mecklenburg-Vorpommern im Detail aus?

Hinweis: Die Infografiken wurden am Wahlabend laufend aktualisiert.

Die stärksten Zuwächse erzielt die AfD: Die Rechten können ihr Ergebnis in Mecklenburg-Vorpommern mehr als verdoppeln. Mit zweistelligen Stimmgewinnen steigt die AfD damit im dritten Landtag nach Thüringen und Sachsen-Anhalt zur stärkste Kraft auf, erreicht in Mecklenburg-Vorpommern aber nicht die absolute Mehrheit. AfD-Spitzenkandidaten Leif-Erik Holm steht ohne Koalitionspartner da.

Die SPD konnte die AfD mit ihrer ganz auf einen Zweikampf zugeschnittenen Kampagne nicht ganz einholen. Ministerpräsidentin Manuela Schwesig hat dennoch gute Aussichten im Amt zu bleiben. "Was für eine Aufholjagd", sagte sie hörbar erleichtert am Wahlabend vor Anhängern auf der SPD-Wahlparty in Schwerin. 

Schwesigs bisheriger Regierungspartner, die Linke, verliert deutlich an Zustimmung. Die Linkspartei bleibt Schwesig aber als Regierungspartnerin erhalten. Zusammen mit einer weiteren Partei wäre rechnerisch eine tragfähige Mehrheit in Reichweite.

Die CDU erlebt in Mecklenburg-Vorpommern dagegen eine christdemokratische Katastrophe: Erstmals seit Gründung der Bundesrepublik rutschen die Christdemokraten unter die Fünf-Prozent-Hürde. CDU-Landeschef Daniel Peters sprach am Abend von einer "krachende Niederlage". Die Hochrechnungen deuteten es am späten Wahlabend bereits an: Die Landeswahlleitung bestätigte in der Nacht, dass es für die CDU keine Aussichten mehr gibt, die entscheidende Schwelle in MV doch noch zu überwinden.

CDU-Spitzenkandidat Peters wies Vorwürfe zurück, er habe die Schuld an der Wahlniederlage seiner Partei bei der Führung der Union in Berlin abgeladen. "Ich lade überhaupt keine Schuld nach Berlin ab", sagte Peters. "Ich finde, der Kanzler hat an der Stelle recht, dass wir - ganz, ganz dringend sogar - in Deutschland und auch in Mecklenburg-Vorpommern Reformen brauchen."

Gesichter und Namen in MV

Die Grünen haben den Sprung über die Fünf-Prozent-Hürde geschafft. Für das BSW war dies am Wahlabend lange ungewiss: Hochrechnungen sahen die Wagenknecht-Partei zunächst auf, und dann knapp unter der entscheidenden Schwelle. Die FDP verpasste den Wiedereinzug in den Schweriner Landtag deutlich.

Wer in Mecklenburg-Vorpommern künftig das Sagen hat ist noch unklar. Die AfD erhob mit Blick auf den Wahlausgang Anspruch auf den Regierungsauftrag. Allerdings reicht es für AfD-Spitzenkandidaten Holm nicht zur absoluten Mehrheit, und keine der übrigen Parteien will mit der AfD koalieren. Die in Teilen rechtsextremistische Partei verfügt im Landtag aber künftig über eine Sperrminorität und könnte etwa die Ernennung von Verfassungsrichtern blockieren. 

Mögliche Koalitionsoptionen

Hinweis: Den ausführlichen ntv Koalitionsrechner zu den Wahlaussichten in Mecklenburg-Vorpommern finden Sie hier.

Ohne CDU und BSW im Landtag ergibt sich eine tragfähige Mehrheit für Rot-Rot-Grün, also ein Parteienbündnis der SPD mit Linken und Grünen. Schwesig - seit 2017 regierend und Hoffnungsträgerin ihrer Bundespartei - meldete vor diesem Hintergrund bereits bereits Ansprüche auf das Amt der Regierungschefin an - trotz des zweiten Platzes ihrer Partei. Dies sei bislang die schwerste Landtagswahl gewesen, gestand sie ein.

Der Wahlausgang dürfte noch für Debatten sorgen: "Wir haben hier den Regierungsauftrag", betonte AfD-Spitzenkandidat Holm. Er kündigte an, alle Parteien einzuladen. Denn es gehe nicht um "irgendwelche Parteien und Pfründe": Seiner Ansicht nach gehe es darum, "dass wir unser Land wieder auf Vordermann bringen." 

Stimmenanteile im Vergleich

Zur Wahl standen in Mecklenburg-Vorpommern insgesamt 402 Kandidaten und Kandidatinnen, genauer 278 Männer und 124 Frauen. 19 verschiedene Parteien traten bei der Wahl am 20. September mit einer Landesliste an, fünf Einzelbewerber und Einzelbewerberinnen kandidierten für ein Direktmandat.

Regionale Wahlgewinner nach Zweitstimmen

Bei der Landtagswahl in Mecklenburg-Vorpommern gilt die Fünf-Prozent-Hürde: Diese Sperrklausel stellt sicher, dass bei der Sitzverteilung nur diejenigen Parteien berücksichtigt werden, die mindestens fünf Prozent der abgegebenen gültigen Zweitstimmen erreicht haben. Die in Deutschland übliche Regelung soll sicherstellen, dass Parlamente in Abstimmungen entscheidungsfähig bleiben und nicht in zu viele Kleinparteien zersplittern.

So haben die Parteien in der Fläche abgeschnitten

Der Blick auf die "Hochburgen" der Parteien liefert Einblicke in regionale Kraftzentren der verschiedenen politischen Kräfte. Die politische Landkarte Mecklenburg-Vorpommerns wirkt nach dieser Wahl grundlegend verändert. Weite Flächen im ländlichen Raum leuchten in den Farben der AfD. Bei den Zweitstimmenergebnissen kann sich die SPD insbesondere im urbaneren Großraum Rostock, Schwerin, Greifswald, Neubrandenburg sowie in den Wahlkreisen Nordwestmecklenburg I und Ludwigslust-Parchim I halten.

Grüne und Linke konnten keinen einzigen Wahlkreis für sich entscheiden. Die CDU schnitt in Mecklenburg-Vorpommern regional durchgehend schwach ab. Das vergleichsweise beste Ergebnis erreichten die Christdemokraten in Schwerin, bei Stralsund und im östlichen Speckgürtel von Rostock.

Rückblick: Wahlergebnisse seit der Wende

Von den 36 Direktmandaten gingen in Mecklenburg-Vorpommern 22 an die AfD und 14 an die SPD. Schwesig verteidigte ihren Schweriner Wahlkreis gegen Holm, der nur dort und nicht auf der AfD-Landesliste antrat, mit 54,4 Prozent zu 28,2 Prozent der Erststimmen.

Die Entwicklung der Wahlbeteiligung

Die Wahlbeteiligung lag laut vorläufigem Wahlergebnis mit 78,1 Prozent deutlich über dem Niveau der vorausgegangenen Landtagswahlen. 2021 hatten sich nur 70,8 Prozent der Wahlberechtigten dazu entschieden, von ihrem Wahlrecht auch Gebrauch zu machen.

Am Tag nach der Wahl werden die Ergebnisse aus Mecklenburg-Vorpommern noch für reichlich Gesprächsstoff sorgen: Der Aufstieg des Rechtspopulismus, die Strategie der SPD und insbesondere das schwache Abschneiden der CDU senden bundespolitische Schockwellen bis nach Berlin. Bundeskanzler Friedrich Merz stufte den Wahlausgang bereits als "Desaster" ein. AfD-Chefin Alice Weidel sieht ihre Partei zunehmend breit in der Gesellschaft verankert. "Wir haben die CDU als Volkspartei verdrängt", sagte sie am Wahlabend.

Kanzler Merz kündigte zugleich an, den eingeschlagenen Reformkurs trotz der schlechten Ergebnisse seiner Partei bei den Landtagswahlen in Mecklenburg-Vorpommern und Berlin fortsetzen zu wollen. "Diese Reformen sind das Mittel gegen das autoritäre Gift, das mit der Faszination des Autoritären immer tiefer in unsere Gesellschaft eindringt", erklärte der Kanzler kurz nach Veröffentlichung der ersten Prognosen zum Wahlausgang. "Was jetzt zu tun ist, erfordert Rückgrat, Standhaftigkeit und Geduld", sagte Merz und fügte hinzu: "Ich werde das aufbringen als Parteivorsitzender der CDU und vor allem als Bundeskanzler unseres Landes."

Quelle: ntv.de, mmo/dpa/rts

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