"Distanziere mich ausdrücklich"Hamas-Unterstützer Ibrahim taucht auf Linken-Wahlparty auf

Bei der offenen Wahlparty der Linken in Berlin-Neukölln schaut neben dem Chef des Remmo-Clans auch eine andere problematische Person vorbei: der antiisraelische Aktivist Ibrahim Ibrahim. Der lässt mit zahlreichen öffentlichen Aussagen in den vergangenen Jahren keinerlei Zweifel an seiner Gesinnung.
Neben dem Besuch vom Chef des Berliner Remmo-Clans auf der Bezirks-Wahlparty der Linken in Neukölln hat das Auftreten einer weiteren Person für Gesprächsstoff und Kritik gesorgt: Ibrahim Ibrahim. Laut Verein democ soll der seit vielen Jahren in Berlin lebende Ibrahim schon mehrfach als antiisraelischer Aktivist in Erscheinung getreten sein. Auf einem Foto der "Berliner Morgenpost" von der Wahlparty ist er nun neben dem linken Neuköllner Bundestagsabgeordneten Ferat Koçak zu sehen.
Koçak äußerte sich mittlerweile auf X zu den Vorgängen und schreibt, die Linke haben gestern ihr tolles Wahlergebnis gefeiert - "darunter Jüd*innen und Palästinenser*innen". Er selbst habe auf der Party mit Gästen, die seine Arbeit schätzten, Hunderte Fotos gemacht. "Die Wahlparty in Neukölln war öffentlich zugänglich und grundsätzlich für alle offen." Und weiter: "Von gewalt- oder terrorverherrlichenden Aussagen der genannten Person distanziere ich mich ausdrücklich." Den Namen Ibrahims nennt er dabei explizit nicht. Koçak beschließt seinen Post mit der Aussage: "Mein Ziel ist und bleibt eine Gesellschaft, in der alle Menschen ein gutes und sicheres Leben in Würde führen können - unabhängig davon, ob sie jüdisch, muslimisch, christlich, alevitisch, hinduistisch, buddhistisch oder konfessionslos sind".
Linken-Chefin Ines Schwerdtner begrüßte die Distanzierung durch Koçak. Diese stehe im Vordergrund und werde von der Partei "sehr ernst" genommen, so Schwerdtner: "Für mich ist völlig klar, dass Gewaltverherrlichung, Terrorverherrlichung absolut inakzeptabel sind. Ich stehe für den Schutz von jüdischem Leben - genauso wie für den Schutz jedes anderen Lebens". Sowohl der Remmo-Chef als auch Ibrahim seien ihrer Kenntnis nach des Saales verwiesen worden, nachdem man festgestellt habe, um wen es sich bei den Besuchern handelt, so Schwerdtner.
Der Bezirksverband hatte bereits zuvor erklärt, eingeladen worden seien die beiden nicht. Die Fraktionsvorsitzende der Linken im Bundestag, Heidi Reichinnek, betonte, es habe sich um eine öffentliche Veranstaltung gehandelt, zu der grundsätzlich jeder Zutritt hatte: "Wir haben ja unsere Wahlpartys jetzt nicht mit Zäunen gesichert." Die Partei habe jedoch deutlich gemacht, dass sie mit Remmo und seinem Clan nichts zu tun haben wolle.
Ibrahim bezeichnet Israel als "koloniales Siedlungsprojekt"
Der Aktivist Ibrahim hingegen trat nach Angaben von democ in der Vergangenheit mehrfach als Redner auf Demonstrationen der PFLP, der "Volksfront zur Befreiung Palästinas", auf - beispielsweise beim Besuch des israelischen Außenministers Gideon Sa'ar im Juni 2025 in Berlin. Auch bei einer Veranstaltung unter dem Motto "United4Gaza" im Herbst 2025 sprach Ibrahim zu den etwa 15.000 Demonstranten. Dabei pries er unter anderem Yahya Sinwar als "standhaften Anführer" und "Märtyrerhelden".
Sinwar führte die Terrororganisation Hamas im Gazastreifen nach dem Tod von Ismail Haniyya im August 2024, war allerdings bereits seit 2017 in führender Rolle aktiv. Sinwar soll maßgeblich an der Planung und Durchführung des Massakers vom 7. Oktober beteiligt gewesen sein. Dabei wurden mehr als 1200 Menschen in Israel von der Hamas und mit ihr kooperierenden Terrorgruppen getötet. Zudem wurden 250 Menschen in den Gazastreifen verschleppt. Sinwar wurde im Oktober 2024 bei einem Feuergefecht mit der israelischen Armee im Gazastreifen getötet.
Ibrahim sprach laut democ zudem Sayyid Hassan Nasrallah, Generalsekretär der islamistischen Hisbollah im Libanon, seinen höchsten Respekt aus. Wie die Hamas im Gazastreifen wird auch die Hisbollah im Libanon international als Terrororganisation eingestuft. Nasrallah wurde von der israelischen Armee im September 2024 bei einem Luftangriff auf das Hauptquartier der Hisbollah getötet.
Im Mai 2026 sprach Ibrahim auf einer Demonstration laut democ von Israel als "kolonialem Siedlungsprojekt". Er führte in seiner auf Arabisch vorgetragenen Rede weiter aus: "Unser Volk wird Widerstand in all seinen Formen leisten, bis die Besatzung aus dem gesamten Gebiet Palästinas einschließlich seiner Hauptstadt Jerusalem verschwindet."
Die PFLP existiert laut Berliner Verfassungsschutzbericht 2024 bereits seit 1967. Es soll sich um eine säkulare Organisation handeln, die ursprünglich aus dem marxistisch-leninistischen Spektrum stammt. In den 70er Jahren sollen Mitglieder der Gruppe an Entführungen und Geiselnahmen - genannt wird etwa die Entführung der Lufthansa-Maschine Landshut 1977 - beteiligt gewesen sein.
Mittlerweile soll die Gruppe stärker nationalistisch ausgerichtet sein. Zentrales Ziel soll laut Verfassungsschutz die Gründung eines palästinensischen Staates in den Grenzen des historischen Palästinas sein - was das Ende der Existenz Israels bedeutet. Offiziell betont die Gruppe zwar stets den friedlichen Charakter ihrer Arbeit, ihr bewaffneter Arm, die "Abu Ali Mustafa-Brigaden" (AAMB) soll in Israel und dem Westjordanland aber zu terroristischen Mitteln greifen. In Berlin ist die Gruppe jedoch laut Behörden eher klein - der Landesverfassungsschutz rechnet ihr etwa 30 Personen zu.
