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Berlin & BrandenburgBerliner Sport: Neue Machtverhältnisse, alte Baustellen

27.09.2026, 11:36 Uhr
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Die Olympia-Bewerbung ist erledigt, millionenschwere Probleme bleiben. Ein möglicher Machtwechsel könnte Berlins Sportpolitik verändern. Was bedeutet das für den Breiten- und Spitzensport?

Berlin (dpa/bb) - Keine Olympischen Spiele, möglicherweise eine Regierende Bürgermeisterin der Linken - kommt jetzt ein sportpolitischer Kurswechsel? Der Berliner Sport steht vor einer ungewissen Zukunft. Mit dem Rückzug der Hauptstadt aus dem Rennen um die Olympischen und Paralympischen Spiele ist ein sportliches Großprojekt Geschichte. Doch die kostspieligen Probleme des Berliner Sports bleiben. Welche Schwerpunkte würde eine möglicherweise von der Linken geführte Landesregierung setzen?

Marode Sporthallen, sanierungsbedürftige Schwimmbäder und fehlende Trainingsflächen machen den Vereinen zu schaffen. Zugleich stehen mit dem geplanten Umbau des Friedrich-Ludwig-Jahn-Sportparks und einem möglichen Stadionneubau für Hertha BSC zwei große Infrastrukturprojekte auf der Agenda.

"Wir haben mit ihr (Wahlsiegerin Elif Eralp) eine hohe Übereinstimmung erzielt, was die Sportförderung, Aktivitäten und Entwicklungen in Berlin betrifft - aber eben nicht Olympia", hatte Landessportbund-Präsident Thomas Härtel bereits mehrere Tage vor Münchens Wahlsieg der "Süddeutschen Zeitung" gesagt. Ein grundlegender Kurswechsel scheint demnach zumindest nicht zwangsläufig. Ein Überblick:

Jahn-Sportpark: "Inklusive Anlage für den Breitensport"

Ein zentrales Projekt bleibt der Jahn-Sportpark. Im Wahlprogramm spricht sich die Linke für eine Überarbeitung der bisherigen Neubaupläne und ein kostengünstigeres Stadion aus. "Unser klarer Fokus liegt auf der Entwicklung des Sportparks als inklusiver Anlage für den Breitensport, die Menschen mit Behinderungen und Beeinträchtigungen uneingeschränkte Teilhabe ermöglicht", schreibt die Partei.

Auf dem Areal in Prenzlauer Berg sind neben einem Stadion mit rund 20.000 Plätzen auch eine neue Sporthalle, ein Begegnungszentrum für Verbände sowie zahlreiche Spielfelder für unterschiedliche Sportarten geplant. Die Gesamtkosten bezifferte SPD-Bausenator Christian Gaebler auf 263,4 Millionen Euro. Die Linke favorisiert nach dpa-Informationen hingegen deutlich günstigere Konzepte zwischen 40 und 100 Millionen Euro.

Warten auf Akteneinsicht zum neuen Hertha-Stadion

Nach jahrelangen Diskussionen war Hertha BSC seinem Traum vom eigenen Stadion zuletzt einen entscheidenden Schritt näher gekommen. Anfang September erklärte eine Expertenkommission das Grundstück an der Jesse-Owens-Allee im Olympiapark grundsätzlich für geeignet. Sie empfahl dem Zweitligisten, eine Bauvoranfrage für die geplante Arena mit rund 50.000 Plätzen zu stellen. Eine Baugenehmigung ist damit allerdings noch nicht verbunden. Das Stadion soll vollständig privat finanziert werden.

Nach der vollmundigen "Erledigt"-Pressekonferenz von Regierungsanwärterin Eralp hatten einige Hertha-Anhänger online auch schon den Traum vom neuen Stadion begraben. Zwar hatte sich die Linke bereits 2021 gegen einen zusätzlichen Stadionneubau im Olympiapark ausgesprochen, im Wahlprogramm aber wurde ein Neubau oder eine Absage an das Vorhaben nicht integriert.

"Wir haben mehrmalige Anfragen um Akteneinsicht an die Senatsverwaltung gerichtet, aber keine Antwort erhalten", sagte Claudia Engelmann, sportpolitische Sprecherin der Linken, der Deutschen Presse-Agentur. Ohne entsprechende Informationen sei die Thematik deshalb nicht im Programm aufgetaucht. Sollte ein Regierungswechsel stattfinden, würden auch zunächst die Parameter geprüft und Gespräche mit allen Beteiligten geführt werden. Engelmann betonte, dass es nicht ausgeschlossen sei, dass der Stadionneubau - wie bei der schwarz-roten Regierung - auch im neuen Koalitionsvertrag eingebettet werden könnte.

Schul- und Breitensport: "Jahrzehnt der Investitionen"

Der bisherige Senat betrachtete Olympia als Möglichkeit, Sportförderung und Stadtentwicklung miteinander zu verbinden. "Es hat schon einen Ruck durch die Bewerbung gegeben. In die Berliner Bäder werden in den kommenden Jahren 600 Millionen Euro investiert, damit Kinder schwimmen lernen können", hatte Härtel der dpa vor dem Olympia-Rückzug gesagt.

Im Wahlprogramm der Linken heißt es, dass man schrittweise zunächst tägliche Bewegungszeiten und zusätzliche Sportangebote im Ganztag einführen und Kooperationen zwischen Schulen und Sportvereinen stärken wolle. "Parallel investieren wir verstärkt in die Sanierung und den Neubau von Sportstätten sowie in die Ausbildung und Einstellung zusätzlicher Sportlehrkräfte." Im Wahlprogramm wird ein "Jahrzehnt der Investitionen" in den Breitensport versprochen. Eine zentrale Baudienststelle für den Sportstättenbau soll dann eingerichtet werden.

Außerdem werde man mit dem Landessportbund einen Fonds auflegen, der direkt in die Basis des Breitensports investiere, insbesondere zur Sicherung von Personal und zur Instandhaltung der Infrastruktur.

Das Sportforum als "Herz des Berliner Leistungssports"?

Während der Olympiapark allen Berlinern für den Vereins- und Freizeitsport zur Verfügung stehen soll, wird das Sportforum Hohenschönhausen nach den Plänen der Fraktion nachhaltig zum "Herz des Berliner Leistungssports" ausgebaut. Das marode Gelände soll dabei zu einem "europäischen Vorzeigecampus" wachsen, der "Spitzensport auf Weltniveau" garantiere.

Dabei soll der Übergang vom Leistungs- zum Kiezsport transparent gestaltet werden. Denn auch nach den Vorstellungen der Linken bildet der Breitensport das Fundament für den Spitzensport und bringt Menschen zusammen.

Quelle: dpa

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