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HessenJakob und die Liebe zum Klavier

17.10.2026, 04:02 Uhr
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Jakob Fiedler ist einer unter sehr wenigen Klavierbauer-Azubis in Hessen. Was den 31-Jährigen an dem ganz besonderen Handwerk so fasziniert.

Wiesbaden (dpa/lhe) - Schon seit seiner Kindheit spielt Jakob Fiedler Klavier. "Es hat mich schon als kleiner Junge fasziniert, den Deckel zu öffnen und oben reinzuschauen. Zu gucken, was sich tut und gleichzeitig zu spielen."

Ihn begeistert der Weg von der gedrückten Taste bis hin zum Klang. Und diese Begeisterung ist geblieben. Seit Oktober 2025 macht er eine Ausbildung zum Klavierbauer bei Piano-Schulz in Wiesbaden. Damit ist Jakob laut Angaben der Wiesbadener Handwerkskammer nur einer unter sechs Auszubildenden als Klavierbauer in Hessen.

Ein "Krankenhaus für Klaviere"

Doch wie kann man sich die Arbeit als Klavierbauer vorstellen? Fiedler beschreibt es so: "Wenn man ein Bild finden müsste für den Klavierbau, dann wäre es mit einer TÜV-Prüfung beim Auto zu vergleichen" oder "eine Art Krankenhaus für Klaviere". Dabei gehe es vor allem um die Fragen: Wie geht es dem Klavier? In welchem Zustand ist es? Wie klingt es? Wie sieht es optisch aus? Ziel sei es, "dass ich am Ende ein Klavier bekomme und das egal in welchem Zustand es ist, ich es wieder auf Vordermann bringen kann", erklärt Fiedler.

Neben den Reparaturen am Instrument gehört auch die Gehörbildung für das Stimmen des Klaviers zur Ausbildung. Das lernt Jakob vor allem im Betriebsalltag. "Das ist eine neue Art zu hören, die man über einen längeren Zeitraum entwickelt", beschreibt der 31-Jährige. Die Entwicklung eines "eigenen Ohres" sei erstaunlich und brauche ganz viel Praxis.

Reparieren, Restaurieren, Rekonstruieren

Bei seiner Arbeit am Klavier kommt Fiedler mit verschiedenen Materialien, wie beispielsweise Holz und Metall, in Berührung. "Das ist etwas, was mir Freude macht: Dinge mit meinen Händen zu schaffen." Auch die Vergangenheit fasziniere ihn: "So ein altes Handwerk ist irgendwie eine Art Kulturgut, die mich mit den vergangenen Generationen verbindet. Da in die Fußstapfen zu treten, ein Stück weit eben durch diesen Beruf, finde ich, ist ein sehr schöner Gedanke." Diesen Gedanken würde er gern in die Zukunft tragen.

Die Lage der Werkstatt mitten im Stadtleben weckt bei Fiedler historische Vorstellungen. "Ich habe ganz oft so kleine, imaginäre Flashbacks, so in die Richtung wie das früher, so vor 50 Jahren aussah." Auch musikalisch interessiert er sich für frühere Zeiten: "Bob Dylan ist mein All Time Favourite", sagt Fiedler und fügt lachend hinzu: "eher so die früheren Sachen".

Kein Tag wie der andere

Leidenschaft für Handwerk ist laut Fiedler eine Grundvoraussetzung für die Ausbildung. Als wichtige persönliche Eigenschaften nennt er "Lernbereitschaft, Neugier, Geduld und Sorgfalt". Besonders die Flexibilität schätze er an seiner Ausbildung und dem Beruf. "Was in drei Monaten um 9.00 Uhr passiert, steht noch nicht fest", erzählt der Auszubildende.

Jakob Schulz arbeitet in der sechsten Generation bei Piano-Schulz in Wiesbaden. Das ist der Betrieb, in dem Fiedler ausgebildet wird. "Wer die Kombination aus fachlichem Können, musikalischem Gehör, Kommunikationsstärke und Einfühlungsvermögen mitbringt, hat in diesem Beruf sehr gute Perspektiven", ergänzt Schulz.

Handwerk, das verbindet

Vor dem Laden steht ein Straßenklavier. Manchmal gehört es zu Fiedlers Aufgaben, das Klavier direkt vor der Tür zu bearbeiten. "Wenn man das Klavier dann aufhat, schaut Jung und Alt rein", schildert Fiedler. "Wow, ich sehe das gerade zum ersten Mal" oder "Fehlen da nicht die Tasten?" seien typische Reaktionen.

Die Liebe zur Musik

Neben der Faszination für das Klavier hat auch die Liebe zur Musik Fiedler zu seiner Ausbildung gebracht. "Ich denke man assoziiert mit Klavierbau auch immer ein Stück weit diese Verschmelzung zwischen Handwerk und Musik." Im Alltag sei es definitiv mehr Handwerk - vom Sägen über Hobeln bis hin zum Festziehen der Schrauben. "Wenn das Klavier dann fertig gestimmt ist, dann kann es angespielt und getestet werden." Da helfe ein wenig musikalisches Gefühl.

Dieses Gefühl hat Fiedler laut seinem Ausbilder. Außerdem ist er selbst Künstler und macht Musik. "Nach der Arbeit setze ich mich oft noch hin und nehme meine Musik auf. Der Klang eines Flügels ist da natürlich unschlagbar."

Blick in die Zukunft

Jakob Schulz schätzt die Berufsaussichten für Klavierbauerinnen und Klavierbauer als gut ein. Es gehe "um ein sehr spezialisiertes Handwerk", indem "qualifizierte Fachkräfte gefragt sind", beschreibt Schulz. Zwar gehe der Markt für Neuinstrumente in Deutschland seit Jahren zurück, gleichzeitig sorge aber die Langlebigkeit von Klavieren für den langfristigen Bedarf des Handwerks.

Auf die Frage, ob die Entwicklung der Künstlichen Intelligenz seine Entscheidung für das Handwerk beeinflusst habe, lächelt Fiedler. Ein Klavier habe über mehrere tausend Teile und sei wahnsinnig individuell. "Und für diese kleinteiligen Reparaturen kannst du nicht einfach ein Wundermittel mit der KI als Software herzaubern." Für Fiedler steht fest: Solche kleinteiligen Reparaturen werden Menschen noch eine Zeit lang besser erledigen können.

Quelle: dpa

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