Niedersachsen & BremenCamping-Boom in Niedersachsen: Südsee-Camp im Herbst gefragt

Niedersachsen profitiert vom Camping-Boom in Deutschland. Das Südsee-Camp in der Lüneburger Heide gehört zu den am meisten frequentierten Plätzen. Auch im Herbst kennen Camper kein schlechtes Wetter.
Wietzendorf (dpa/lni) - Mit einem Indoor-Spielplatz, einem Hallen-Wellenbad und einem kleinen Reiterhof mit Ponys zieht das Südsee-Camp in der Lüneburger Heide auch im Herbst viele Familien an. Kaum Autoverkehr, keine Kriminalität und Fundsachen, die meist zügig wieder irgendwo auftauchen: "Dies ist glücklicherweise ein unbeschwerter Ort", sagt Tabea Miersch, die im Camp ihre Ausbildung zur Tourismus-Kauffrau abgeschlossen hat.
"Hier geht er duschen, zu Hause nur in die Wanne", erzählt der Vater des vierjährigen Noah, der das 2021 mit einem Architekturpreis ausgezeichnete Sanitätshaus für Kinder gar nicht verlassen will. Mini-Waschbecken, ein wasserspeiender Vogel und ein kleines Holzboot mitten im Duschraum ziehen die Kleinen an. Und wer die Urlaubstage mit Wellness verbringen will, mietet sich ein Badezimmer im 1. Stock mit Whirlpool und Balkon.
"Als Kind bin ich mit meinen Eltern vor 30 Jahren hergekommen, nun bin ich selbst mit Familie hier und finde es nach wie vor toll", erzählt Corina Schiffers aus Mosbach in Baden-Württemberg. Die zehn Tage mit zwei kleinen Kindern im Wohnmobil unter hohen Kiefern vergingen schnell, die fünfjährige Franziska schloss an den Spielgeräten sogar Freundschaften.
Das Herzstück des 1970 aufgemachten Platzes von über 90 Hektar ist ein 3,5 Hektar großer See. Im Sommer, wenn die Anlage mit 726 Stellplätzen voll ist, tummeln sich die Schwimmer im natürlichen Gewässer, das durch Kiesabbau entstanden ist. Der Wasserstand ist allerdings niedrig, auch hier machen sich die trockenen Sommermonate bemerkbar. Das Einzige, was den Oldenburger Rolf stört, sind die Kanonenschüsse vom benachbarten Truppenübungsplatz Bergen. Dauercamper versichern, sich daran lange gewöhnt zu haben.
Stammgäste kommen immer wieder in die Heide
Das Gefährt von Familie Kliebisch sticht unter den durchweg hellen Wohnwagen und -mobilen hervor: Die erste Auszeit im dunkelgrauen, selbst ausgerüsteten ehemaligen Lkw des Bundesgrenzschutzes ging in die Heide. "Das ist hier echt schön für Kinder. Vielleicht kommen wir einmal mit der ganzen Familie wieder. Wer kein Wohnmobil hat, kann sich ja ein Häuschen mieten", meint die 36 Jahre alte Wilma Kliebisch.
Die Quote der Urlauber, die Jahr für Jahr wiederkommen, sei extrem hoch, erzählt Marketingleiter Lars Höppner. Die Übernachtungszahlen seien 2026 erneut gestiegen. Nach den Auswertungen des Campingportals des ADAC, das auf den Seitenaufrufen deutscher Nutzerinnen und Nutzer beruht, führt das Südsee-Camp das Ranking in Niedersachsen an. Dahinter folgen der Alfsee Ferien- und Erlebnispark im Osnabrücker Land, Camping am Deich Nordsee sowie Camping & Ferienpark Falkensteinsee in der Gemeinde Ganderkesee.
Niedersachsen profitiert vom Camping-Boom in Deutschland Camping bleibt eine der beliebtesten Urlaubsformen – auch in der kühleren Jahreszeit. "Der Camping-Boom in der Lüneburger Heide hält an", bestätigt Tourismusgeschäftsführer Ulrich von dem Bruch.s Er führt dies besonders auf die naturnahen Angebote zurück. Wer in der Woche Stress im Büro habe, suche den Ausgleich gern in der ruhigen Natur beim Wandern oder Radfahren.
Damit folgt die Heide einem landesweiten Trend. Im vergangenen Jahr besuchten nach Angaben des Tourismusnetzwerkes Niedersachsen (TMN) knapp 1,9 Millionen Gäste das Campingangebot in Niedersachsen – die Übernachtungszahlen stiegen um 5,5 Prozent auf insgesamt knapp 6,4 Millionen. Damit gehöre Niedersachsen in diesem Segment zu den bundesweiten Gewinnern des Camping-Trends, teilte das Tourismusnetzwerk zuletzt mit.
Warum es Herbst-Camper auch an die Nordsee zieht
Wie in der Heide ist Camping-Urlaub auch an der Nordseeküste nicht nur im Sommerhalbjahr gefragt. "Aus unserer Sicht passt insbesondere das Reisen mit dem Wohnmobil sehr gut zur Nebensaison", sagt Julia Lüder von der Tourismus-Agentur Nordsee (Tano) in Wilhelmshaven. "Wohnmobilgäste sind oftmals flexibel bei Reisezeit, Aufenthaltsdauer und Route."
Zwischen Ems und Elbe haben manche Campingplätze vor allem aber einige Wohnmobilstellplätze auch im Herbst oder sogar über den Winter geöffnet. Jetzt im Oktober empfangen etwa die Campingplätze in Upleward und Wiesmoor (Landkreis Aurich), Neuharlingersiel (Landkreis Wittmund) und auf den Inseln Borkum und Norderney Gäste. Plätze, die vor dem Deich an der Nordsee liegen, schließen im Winterhalbjahr wegen der Sturmflutsaison. Camper mit dem Ziel Nordseeküste sollten deshalb besonders im Herbst und Winter vor Reisebeginn die jeweiligen Saison- und Öffnungszeiten prüfen.
Der Herbst habe für Camper in der Nordseeregion einen besonderen Reiz, sagt Tano-Sprecherin Lüder. "Spaziergänge an Strand und Deich, Radfahren, Vogelbeobachtung und Zugvogeltage, maritime Orte und Häfen sowie Wellness-, Gesundheits- und Thalassoangebote." Hinzu kämen auch viele wetterunabhängige Angebote wie der Besuch von Museen und Erlebniszentren. Auch viele Lichterfeste finden im Herbst an der Nordsee statt.
Camping-Nachfrage im Harz stabil
Im Harz liegt die Nachfrage vereinzelt über dem Vorjahresniveau und ist insgesamt stabil, wie eine Tourismussprecherin mitteilte. Die einzelnen Orte und Campingplätze würden überwiegend positive Rückmeldungen senden. Wie auch andere Harzurlauber würden sich aber auch Camper meist erst kurzfristig für eine Reise entscheiden - abhängig vom Wetter.