Nordrhein-WestfalenSpitzenduo soll Linke zurück in NRW-Landtag führen

Erstmals seit 15 Jahren könnte die Linke wieder den Einzug in den NRW-Landtag schaffen. Im Wahlkampf setzt die Partei auf das Thema Mieten - und auf ein Spitzenduo.
Hagen (dpa/lnw) - Die Linke hat sich personell für den angestrebten Wiedereinzug in den nordrhein-westfälischen Landtag aufgestellt. Alexandra Mehdi und Sebastian Merkens führen die Partei im kommenden Jahr als Spitzenduo in den Landtags-Wahlkampf. Beim Nominierungsparteitag in Hagen wählten die Delegierten sie auf die ersten beiden Plätze der Landesliste.
Umfragen prognostizieren für die Linke seit Monaten einen Wiedereinzug in den Landtag - zum ersten Mal seit 15 Jahren. Eine am Freitag veröffentlichte Insa-Umfrage sieht die Partei bei zehn Prozent. Der neue nordrhein-westfälische Landtag wird am 25. April 2027 gewählt.
Bezahlbare Mieten werden ein Kernthema
Im Wahlkampf will die Linke vor allem mit der Forderung nach mehr Gerechtigkeit und bezahlbaren Wohnungen punkten. Man werde dafür kämpfen, dass das Leben wieder bezahlbar werde, versprach Merkens. "Das Geld muss nach der Miete noch für das eigene Leben reichen."
Konkret werde sich die Partei dafür einsetzen, Mieten zu begrenzen und über eine landeseigene Wohnungsgesellschaft bezahlbaren Wohnraum zu schaffen. Auch Vergesellschaftungen von Immobilienkonzernen schloss er nicht aus: "Wenn das bedeutet, dass wir Großkonzerne enteignen müssen, dann werden wir das tun. Denn Wohnen ist ein Menschenrecht, und mit diesem Recht darf kein Konzern Monopoly spielen", sagte Merkens.
Staat soll verlässlicher werden
Die Politik müsse in vielen Bereichen dafür sorgen, dass staatliche Angebote wieder besser funktionieren, forderte Mehdi. "Wenn wir morgens aus dem Haus gehen, wissen wir nicht, ob der Bus pünktlich kommt, ob die Kita wieder früher schließt." Wenn den Kommunen das Geld für ihre Aufgaben fehle, "leiden diejenigen, die es ohnehin schwer haben".
Mehdi trat bei der Wahl ohne Gegenkandidaten für Platz 1 der Liste an und bekam 90,4 Prozent der Stimmen. Die Diplom-Kulturmanagerin aus Solingen ist als arbeitsmarkt- und sozialpolitische Referentin ihrer Partei im Europaparlament tätig.
Merkens hatte auf Platz 2 einen Gegenkandidaten und kam auf 70,7 Prozent Zustimmung. Der gelernte Erzieher ist seit 2022 Landesgeschäftsführer der Linken und lebt in Mönchengladbach.
Auf Listenplatz 3 wählten die Delegierten die Gewerkschaftssekretärin Sonja Baumann, auf Platz 4 den stellvertretenden Landesparteichef Nils Böhlke, auf Platz 5 die Kölner Kommunalpolitikerin Sarah Niknamtavin. Allein für die besonders erfolgversprechenden ersten 16 Listenplätze hatten im Vorfeld rund 80 Parteimitglieder eine Kandidatur angekündigt.
Parteichefin: Wahlerfolg aus Berlin kann auch anderswo klappen
Bundesparteichefin Ines Schwerdtner setzt große Hoffnungen in die Landtagswahl in Nordrhein-Westfalen. Der jüngste Wahlerfolg der Linken in Berlin zeige, was für die Partei möglich sei - auch in anderen Bundesländern, sagte sie vor den rund 200 Delegierten.
"Was in Berlin funktioniert hat, das ist doch kein Sonderweg", rief sie. "Stellt euch vor, was passieren kann, wenn auch in Nordrhein-Westfalen die arbeitenden Menschen, die armen Menschen und die migrantischen Menschen endlich aufstehen. Was können wir bewegen?" Bei der Wahl zum Berliner Abgeordnetenhaus war die Linke vor einem Monat mit Abstand stärkste Kraft geworden.