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Hamburg & Schleswig-HolsteinKonflikt-Szenario in Hamburg – Bundeswehr übt den Ernstfall

22.09.2026, 15:49 Uhr
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Mehr als 500 Soldaten und zivile Einsatzkräfte proben in Hamburg gemeinsam die Reaktion auf einen Konflikt an der Nato-Ostgrenze. Die wichtigsten Fragen und Antworten zu "Red Storm Charlie".

Hamburg (dpa/lno) - Zum inzwischen dritten Mal proben Bundeswehr, Blaulichtorganisationen und Unternehmen gemeinsam im Hafen den Ernstfall. Unter der Leitung des Landeskommandos Hamburg trainieren bei der Übung "Red Storm Charlie" von Donnerstag bis Samstag rund 500 Soldatinnen und Soldaten sowie Zivilisten mit Fahrzeugen, Lastwagen und Hubschraubern. Die wichtigsten Fragen und Antworten:

Warum ist die Übung nötig?

"Die Bedrohungen, um die es geht, sind ja durchaus präsenter geworden", sagte Innensenator Andy Grote (SPD). Der russische Krieg gegen die Ukraine werde mit unverminderter Härte im fünften Jahr fortgeführt, wobei Russland dabei den Verlust von 30.000 bis 40.000 Menschen pro Monat in Kauf nehme. "Das ist für uns gar nicht vorstellbar - und trotzdem führen sie diesen Krieg weiter." Aggressionen und auch Angriffe gegen Länder, die die Ukraine unterstützten, hätten an Intensität deutlich zugenommen, sagte Grote auch unter Verweis auf den gescheiterten Drohnen-Sprengstoffanschlag am Leipziger Flughafen.

"Das ist eine neue Qualität, dass wir im Grunde genommen auf unserem eigenen Territorium von einem fremden Staat angegriffen werden", sagte Grote. Und es spreche alles dafür, "dass wir auch in Zukunft mit solchen Szenarien rechnen müssen".

Aus Sicht der Bundeswehr macht die Lage eine kontinuierliche Vorbereitung auf mögliche Krisen- und Sicherheitslagen erforderlich. Die Übung diene dazu, die Zusammenarbeit zwischen militärischen und zivilen Akteurinnen und Akteuren zu stärken, gemeinsame Abläufe zu trainieren und die Handlungsfähigkeit aller Beteiligten zu verbessern.

Was ist Basis der Übung?

Der Operationsplan Deutschland. Er beschreibt laut Bundeswehr, wie militärische Maßnahmen der Landes- und Bündnisverteidigung mit zivilen Unterstützungsleistungen koordiniert werden. Ziel des Plans sei es, Zuständigkeiten, Abläufe und Verfahren frühzeitig festzulegen, damit staatliche und zivile Stellen im Bedarfsfall abgestimmt und handlungsfähig reagieren könnten.

Für Hamburg habe der Operationsplan Deutschland eine besondere Bedeutung, da die Stadt aufgrund ihrer Lage und Infrastruktur eine Rolle innerhalb der sogenannten Drehscheibe Deutschland einnehmen könne. "Im Bedarfsfall kann Hamburg unter anderem für den Transport von Personal und Material sowie für logistische und unterstützende Maßnahmen von Bedeutung sein", erklärte die Bundeswehr. Dabei spielten insbesondere Verkehrs- und Transportwege wie Autobahnen, Flughäfen, Häfen, Brücken und das Schienennetz eine wichtige Rolle.

Wie ist das erdachte Szenario?

"Diese Übung basiert auf einem Szenario, in dem Entwicklungen im östlichen Nato-Bündnisgebiet eine vorsorgliche Verlegung militärischer Kräfte erforderlich machen, um eben zur Abschreckung beizutragen", sagte der Kommandeur des Landeskommandos Hamburg, Kapitän zur See Kurt Leonards. Denn die glaubwürdige Abschreckung sei das Rezept der Nato, um der Bedrohung zu widerstehen.

Im Mittelpunkt der Übung stünden Kommunikation, Koordination und das gemeinsame Handeln in komplexen Lagen wie ein Drohnenangriff auf einen zivil-militärischen Konvoi, ein Chemieunfall, ein Sabotageakt auf einen Zug mit militärischen Gütern, ein Massenanfall von verletzten Soldatinnen und Soldaten sowie die Einrichtung einer alternativen Behandlungseinrichtung in geschützten unterirdischen Räumlichkeiten.

Wo findet die Übung statt und womit muss die Bevölkerung rechnen?

"Red Storm Charlie" findet nach Bundeswehrangaben überwiegend im Hamburger Stadtgebiet statt, geht in Teilen aber auch darüber hinaus. Ein Schwerpunkt der Übung liege im Hafen. Zudem werden auch Truppenbewegungen und Kolonnenfahrten im Stadtgebiet geübt. Für die Bevölkerung könne es dann vereinzelt zu Einschränkungen kommen. Da Kolonnen im Straßenverkehr als ein Fahrzeug gelten, kann es zeitweise zu Verkehrsbehinderungen kommen.

Insgesamt würden am Donnerstag rund 70 Fahrzeuge erwartet, darunter gepanzerte Fahrzeuge vom Aufklärungslehrbataillon in Lüneburg, etliche Lastwagen aus dem Logistikbataillon in Delmenhorst sowie Sattelschlepper vom Seebataillon in Eckernförde, sagte Leonards. Sie alle werden demnach im Hafen zusammengezogen und fahren dann in der Nacht als Konvoi durch die Stadt. Außerdem muss mit einem erhöhten Lärmaufkommen gerechnet werden, etwa durch den Einsatz von Hubschraubern.

Wer nimmt neben der Bundeswehr noch an der Übung teil?

Neben der Bundeswehr beteiligen sich nach "Red Storm Alpha" (2024) und "Red Storm Bravo" (2025) an dieser dritten Resilienzstärkungs- und Verteidigungsübung Blaulichtorganisationen wie Polizei, Feuerwehr und Technisches Hilfswerk (THW). Auch dabei seien Landesbehörden, das Universitätsklinikum Hamburg Eppendorf (UKE) und zivile Unternehmen wie Airbus, der Hafenlogistiker HHLA und die Hafenverwaltung HPA.

Kommandeur Leonards sagte: "Während die Anzahl der Soldatinnen und Soldaten bei "Red Storm Bravo" 2025 und "Red Storm Charlie" 2026 mit rund 500 Soldaten gleich geblieben ist, hat sich die Anzahl der zivilen Akteure, also der Organisationen, von 12 auf 60 erhöht." Ebenfalls mit von der Partie ist der Arbeiter-Samariter-Bund (ASB). Er werde mit 30 Leuten im Rahmen der medizinischen Taskforce und den Patiententransportzügen in die Übung eingebunden, sagte Hamburgs ASB-Landesvorsitzender Markus Schreiber.

Konkret gehe es um das Szenario eines größeren Verletztentransports im Bereich der Lufthansa-Technik. Die Frage dahinter: "Wie schaffen wir es auch dann, Menschen schnell und professionell zu versorgen, wenn eine Schadenslage die normalen Strukturen und Kapazitäten übersteigt", sagte Schreiber.

Auch die Lebensmittelhändler Edeka und Netto nehmen teil und bieten einen Notfallrucksack an, in dem sich Dinge finden wie ein Kurbelradio, ein Taschenkocher, ein Wasserfilter und eine Solar-Powerbank. Abseits der Bundeswehrübung ruft die Handelskammer zudem zu "Red Storm Business" auf. Dabei wollen rund 250 Unternehmen die eigene Handlungsfähigkeit bei einem längeren Stromausfall prüfen.

"Krisenvorsorge bedeutet, den eigenen Betrieb, das eigene Unternehmen für die Zukunft zu sichern", sagte Handelskammer-Präses Norbert Aust. Sie beginne mit Vorbereitung, mit Zusammenarbeit und wachse durch Übung. "Das Motto muss lauten: Üben statt hoffen", sagte Aust. Wer heute übe und sich vernetze, könne morgen handlungsfähig bleiben.

Gibt es Kritik an der Übung?

Aus Protest gegen die Bundeswehrübung hat das Bündnis "Kein Nato Hafen" für Samstag unter dem Motto "NEIN zum Kriegsmanöver Red Storm Charlie - JA zu sozialem Fortschritt!" zu einer Demonstration aufgerufen. Unterstützt wird das Bündnis unter anderem von Initiativen der Friedensbewegung, Jugendverbänden, Gewerkschaftern und NGOs. Der Protestmarsch führe von 14.00 Uhr an vom Jungfernstieg durch die Innenstadt zu den Landungsbrücken. Bereits am Donnerstagnachmittag ist zudem ebenfalls am Jungfernstieg ein Konzert für den Frieden geplant.

Das Manöver "Red Storm Charlie" beinhalte nicht nur die üblichen Militärübungen, sagte Jule Liebig vom Bündnis "Rheinmetall Entwaffnen". "Es geht darum, auch die zivile Bevölkerung und Institutionen kriegstüchtig zu machen." Der Tenor laute, alle sollten mitmachen. "Wir stellen uns dem entgegen." Das Bündnis kündigte dezentrale Aktionen an, um das Manöver zu stören.

Quelle: dpa

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