ThüringenLandtagspräsident: "Tag der Freude und Dankbarkeit"

Regierungschef Voigt appelliert, die Erfahrungen der Ostdeutschen stärker zu nutzen. Oppositionsführer Höcke findet, dass Menschen mit DDR-Biografie als Staatsbürger zweiter Klasse betrachtet werden.
Erfurt (dpa/th) - Vor dem Tag der Deutschen Einheit hat Thüringens Landtagspräsident Thadäus König dazu aufgerufen, die Errungenschaften der friedlichen Revolution mit Leben zu füllen. "Einheit bedeutet, an einem Strang zu ziehen: Für die Demokratie, für die Freiheit und für die Gemeinschaft", sagte König. Der Tag der Deutschen Einheit sei ein Tag der Freude und der Dankbarkeit. "Was in der friedlichen Revolution errungen wurde und vor 36 Jahren in die Deutsche Einheit mündete, gilt es zu bewahren und zugleich mit Leben zu füllen - jeden Tag."
Voigt und Söder in Mödlareuth
Der Tag der Deutschen Einheit am 3. Oktober erinnert an die Wiedervereinigung vor 36 Jahren. Die zentrale Feier in Deutschland ist in diesem Jahr in Bremen. Thüringens Ministerpräsident Mario Voigt (CDU) wird bei einer Veranstaltung im einst geteilten Dorf Mödlareuth erwartet - zusammen mit Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU).
Im Vorfeld hob Voigt die Erfahrungen der Ostdeutschen hervor, die diese im Zuge der Wende gesammelt haben. "Die Menschen im Osten haben erlebt, was jetzt auf das ganze Land zukommt. Arbeit, Betriebe und alte Gewissheiten ändern sich auf einmal. Nach 1990 mussten Millionen Menschen neu anfangen", sagte Voigt laut einer Mitteilung. Die Menschen hätten dies mit Mut, Fleiß und Eigenverantwortung geschafft. "Die Erfahrung des Ostens ist eine Stärke für ganz Deutschland, die wir bisher zu wenig nutzen", sagte Voigt.
Höcke fordert Gleichberechtigung
Nach Angaben der Thüringer Staatskanzlei präsentiert sich Thüringen bei den zentralen Feierlichkeiten zum Tag der Deutschen Einheit auf der Ländermeile in Bremen. Dabei stehe das 100-jährige Bestehen des Zeiss-Planetariums Jena im Mittelpunkt.
Nach Ansicht von Thüringens AfD-Fraktionschef Björn Höcke würden Bürger mit DDR-Biografie "als Staatsbürger zweiter Klasse" betrachtet. So vermittle etwa die Rentendebatte, "dass ihre Lebensleistung weniger zählt." Einheit bedeute mehr als einen gemeinsamen Staat, sagte Höcke, der in Nordrhein-Westfalen geboren wurde und seine Kindheit und Jugend in Rheinland-Pfalz verbrachte laut einer Mitteilung. "Sie verspricht jedem Bürger, gleichberechtigt dazuzugehören, auch wenn er anders denkt oder anders wählt." Die Thüringer AfD wird vom Landesverfassungsschutz als gesichert rechtsextremistisch eingestuft und beobachtet. Im Landtag stellt sie die größte Fraktion und ist in der Opposition.