Berlin & BrandenburgViele Internetseiten wieder am Netz

Wegen einer Warnung nahmen viele Einrichtungen in Berlin und Brandenburg vorsorglich ihre Internetseiten vom Netz. So ist der aktuelle Stand.
Berlin/Potsdam (dpa/bb) - Die weltweite Sicherheitslücke im Internet hat in Berlin und Brandenburg bisher offenbar keine Schäden zur Folge. Etliche Einrichtungen wie Hochschulen und Krankenhäuser, staatliche Stellen oder Kommunen, die ihre Webseiten am Vortag vorsorglich abgeschaltet oder eingeschränkt hatten, gingen inzwischen schrittweise wieder ans Netz.
"Viele Systeme konnten mittlerweile wieder in Betrieb genommen werden", teilte etwa die Freie Universität Berlin mit. Bis alle Angebote wieder nutzbar seien, könne es aber noch bis zu diesem Freitag dauern. Auch die Online-Auftritte der Universität Potsdam waren wieder erreichbar, ebenso wie die von Kliniken wie der Berliner Charité oder des Ernst-von-Bergmann-Klinikums in Potsdam.
Noch nicht alle Funktionen wieder nutzbar
Die S-Bahn Berlin teilte noch in der Nacht mit, dass ihre Internetseiten wieder uneingeschränkt zur Verfügung stehen. Beim offiziellen Hauptstadtportal "berlin.de" sind nach Angaben von Senatssprecherin Christine Richter Terminbuchungen bei Behörden oder das Ausfüllen von Formularen wieder möglich. "Wir haben fast alles wieder zum Laufen gebracht."
Aus der Stadtverwaltung Cottbus hieß es, man arbeite an dem Problem und könne den Internet-Auftritt der Kommune voraussichtlich im restlichen Verlauf des Tages wieder freischalten.
Internetwachen der Polizei betroffen
Die Stadt Spremberg oder der Landkreis Teltow-Fläming baten die Bürger um Verständnis dafür, das nicht sofort alle Angebot wieder nutzbar seien. Auf den Webseiten des Berliner Abgeordnetenhauses waren manche Funktionen eingeschränkt, etwa die Suche nach bestimmten Dokumenten.
Die Internetwachen der Polizei in Berlin und in Brandenburg waren am frühen Nachmittag noch nicht wieder erreichbar. Fachleute arbeiteten daran, die Funktionalität so schnell wie möglich wieder herzustellen, hieß es vom Zentraldienst der Brandenburger Polizei. Normalerweise nutzen Bürger die Internetwache unter anderem, um eine Anzeige zu erstatten.
Weltweites Problem
Hintergrund ist eine neu entdeckte, schwerwiegende Sicherheitslücke, die weltweit das Fundament zahlreicher Webseiten und Onlinedienste ins Wanken brachte. Auch das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) gab eine offizielle Cybersicherheitswarnung heraus.
Behörden und IT-Sicherheitsexperten hatten die Lage als außerordentlichen Notfall eingestuft, weil durch die Sicherheitslücke eine vollständige Übernahme betroffener Systeme droht und die Details der Lücke vorab unbeabsichtigt an die Öffentlichkeit gelangten. Viele Webseitenbetreiber weltweit nahmen ihre Internet-Auftritte daraufhin vorsorglich vom Netz. Der dringende Rat an die Betreiber der Seiten war, rasch Sicherheitsupdates zu installierten. Nachdem das geschehen war, sind inzwischen viele Websites wieder online.
Wichtige Programmiersprache
Betroffen ist die weit verbreitete Programmiersprache PHP, auf der ein Großteil des gesamten Internets basiert. Sie findet Anwendung von einfachen Blogs über große Nachrichtenportale bis hin zu komplexen Onlineshops und Content-Management-Systemen wie WordPress.
Bundesdigitalminister Karsten Wildberger sieht derzeit keine Hinweise, dass Webseiten und IT-Systeme des Bundes von der PHP-Sicherheitslücke betroffen sind. "Wir nehmen diesen Vorfall und die aktuellen Warnungen sehr ernst", sagte der CDU-Politiker der "Bild"-Zeitung. Die zuständigen Stellen hätten schnell und klar reagiert. "Der Fall zeigt auch: Wir stehen am Beginn eines neuen Zeitalters der Cybersicherheit", so Wildberger. "Im digitalen Raum geht es jetzt um Geschwindigkeit, um Sicherheitslücken rechtzeitig zu identifizieren und zu schließen."